Was ich gerade fühle sind Körpererinnerungen. Es ist eine unangebrachte Reaktion meines Nervensystems. Ich werde in einen emotionalen Zustand versetzt, der damals herrschte, als ich Gefahr spürte. Anders als die Gefahr damals, können mir diese Körpererinnerungen nicht weh tun. Ich befinde mich heute, hier in Sicherheit.
Ich befinde mich in Sicherheit, weil ich erwachsen bin. Ich bin 39 Jahre alt. Es ist 2026. Freunde, Bekannte und die Polizei können mich schützen, wenn ich in Not gerate. Außerdem bin stärker, fähiger und weiser als ich es damals war. Wenn es wirklich darauf ankommt, finde ich immer einen Weg.
Ich finde immer einen Weg und deswegen muss ich keine Grenzüberschreitungen zulassen. Wenn mich jemand bedroht, herabwürdigt oder über die Maße stresst, dann entziehe ich mich der Situation. Wenn mich jemand ungerecht behandelt, dann erhebe ich meine Stimme. Auch wenn es hektisch wird, für Gerechtigkeit muss Zeit sein.
Zeit darf heute sein, weil ich Zeit wahrnehmen und über sie bestimmen kann. Früher hat sich die Gefahr angefühlt, als wäre sie endlos. Heute weiß ich, alles geht wieder vorbei. Auch die Überreaktion meines Nervensystems wird wieder aufhören. Ohne dass ich etwas dafür tun muss, wird die Ruhe zu mir zurückkehren.
Ruhe kehrt in meinen Körper zurück, weil ich eine respektvolle Verbindung zu ihm habe. Mit tiefer Atmung konzentriere mich auf angespannte Muskeln und lasse locker. Schultern, Nacken, Arme und Beine dürfen sich entspannen.
Entspannen darf ich sich auch mein innerer Kritiker. Wenn er mich verleitet über das Ende der Welt oder andere Katastrophen nachzudenken, sage ich „STOP!“ und stelle mir das rote Verkehrsschild vor. Neunzig Prozent unserer Ängste und Sorgen werden nie zu echten Problemen.
Kein echtes Problem sind auch die Körpererinnerungen, die ich fühle. Sie sind ein ungerechter Fluch, aber sie sind kein Problem, das ich lösen muss. Ich kann in meinen Körper eintauchen und die Angst und Anspannung fühlen, ohne dass ich darauf reagieren muss. Meine Angst kann mir nicht weh tun.
Energie die sich im Kopf staut, lasse ich abfließen. Als würde ich eine Schleuse öffnen, entspanne ich meinen ganzen Körper kopfabwärts und erlaube meinen Muskeln das Zittern und Zucken. Das sind keine Symptome, sondern die Sprache des Körpers. Ich bin mein Körper. Es ist meine Sprache und mein Ausdruck. Denn Selbstliebe ist kein Zustand, sondern eine tägliche Entscheidung. Ich entscheide mich, meinen Körper sprechen zu lassen. Ich entscheide mich, mich zu lieben.
Ich spreche aus, was ich sehe, wenn ich mich erden möchte. Ich zähle laut vier Dinge auf, die in meinem Sichtfeld sind. Ich benenne sie und beschreibe sie in Form und Farbe.
Wenn die Farbe des Lebens für mich verloren ist, erlaube ich mir die Trauer. Meine Tränen sind Ausdruck des Körpers und damit mein Ausdruck. Ich stelle mir vor, dass ein mächtiges und gutherziges Wesen mich während der Trauer schützt. Dieses Wesen zerstört all die Menschen und Einflüsse mit Kraft und Wut, die mich wegen meiner Trauer beschämen oder verletzen wollen.