Ist die Tiefenpsychologie wissenschaftlich?

Wenn jemand sagt: „Alle psychischen Krankheiten haben ihren Ursprung in der Kindheit“, dann ist es gerechtfertigt zu sagen, dass das unwissenschaftlich ist. Man müsste nur einen einzigen Menschen finden, bei dem es anders war. Dann wäre die Behauptung bereits falsch und unwissenschaftlich. Wenn aber jemand sagt: „Ich bin seit dreißig Jahren Psychotherapeutin und hatte noch nie Klienten, bei denen ein Verständnis für die eigene Kindheit nicht zur Besserung psychischer Krankheiten geführt hätte“, dann ist das nicht unwissenschaftlich. Das ist eine Feststellung. Wer kritisch sein will, kann sagen: „Es ist eine Behauptung.“

Man kann weiter kritisch sein und überlegen, ob es an der Therapie, oder dem Placebo-Effekt lag. Oder an der Regression zur Mitte – soll heißen: „Mal gehts einem gut, mal gehts einem schlecht. Wenn man zur Therapie geht, wenns einem schlecht geht, gehts einem irgendwann auch wieder gut. Auch wenn die Therapie gar nicht hilft.“

Das sind alles vernünftige Überlegungen. Aber würde jemand sagen: „Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass eine Aufarbeitung der Kindheit zu psychischer Gesundheit führt“, heißt das dann, dass ich so eine Therapie nicht machen soll? Trotz der zahllosen Erfahrungen von Therapeuten, die seit Jahrzehnten erfolgreich unter diesem Gesichtspunkt arbeiten? Was sagt die Wissenschaft zu dieser Frage?

Mir scheint, in unserer Gesellschaft vermehrt sich die Illusion, dass alles, was nicht wissenschaftlich beweisbar ist, „unwissenschaftlich“ ist. Und dieses Wort wiederum impliziert, dass eine Sache nicht ernst zu nehmen sein soll. „Die Wissenschaft“ ist aber kein Arzt im weißen Kittel, der sich unsere Probleme anhört und mit der Krankenkasse abrechnet. „Die Wissenschaft“ hat keine Antworten auf die Fragen individueller Menschen.

Was es gibt, sind wissenschaftliche Studien. Meist bezahlt von Geldgebern mit Eigeninteresse, durchgeführt von Wissenschaftlern unter Erfolgsdruck, und verzerrt von Medien mit Auflagenvorgaben. Wenn ich genug Geld hätte, könnte ich wissenschaftlich beweisen, dass unterdurchschnittlich wenige wissenschaftliche Studien Gesundheitsaspekte untersuchen, mit denen sich kein Geld verdienen lässt.

Wenn mir ein Mann klaren Verstandes sagt, dass er seit dreißig Jahren auf den Hügel hinterm Hof geht, und da gibt ihm eine getupfte Gans fünfzig Euro in die Hand, dann muss ich ihm das nicht glauben. Ich werde aber ganz sicher mit ihm irgendwann auf diesen Hügel gehen. Denn Bewegung schadet nicht, und falls es stimmt, kann ich ab sofort etwas für die Rente zur Seite legen. Wenn es nicht stimmt, habe ich etwas über Menschen gelernt.

„Die Wissenschaft“ hatte aber nie eine Antwort auf die Frage, ob ich mit dem Mann einen Spaziergang machen soll.

Wenn Menschen aus Fleisch und Blut mir sagen, dass ein Buch ihnen geholfen hat, dann befinde ich mich in genau derselben Situation. Wenn ich ähnliche Probleme habe, dann gehe ich eine Wette ein. Wenn ich das Buch nicht lese, wette ich darauf, dass es mir nicht hilft. Der Wetteinsatz sind 10 Euro und ein paar Stunden meiner Zeit. Wenn ich gewinne, habe ich mir die gespart. Wenn ich verliere, bleibe ich womöglich mein Leben lang unglücklich.

Wir allein tragen die Verantwortung für unsere Gesundheit. Es gibt da draußen Methoden und Erkenntnisse, die helfen, aber nicht profitabel sind. Deswegen haben sie keine Stimme und keine Lobby. Das ist Fakt. Erkenntnistheoretisch gesichert durch meine Existenz und mein Erleben. Es ist unsere Aufgabe als Mensch herauszufinden, was wir brauchen. Kein Marketer oder Wissenschaftler zieht einen Nutzen daraus, uns gewissenhaft zu informieren. Jeder da draußen tut, was für ihn selbst das Beste ist.

Das Staatsfernsehen war selten Teil einer Revolution.

Jeder muss sich selbst fragen, was es zu gewinnen und verlieren gibt. Spazierengehen und vielleicht etwas lernen? Oder Zuhause bleiben und weitermachen wie bisher, weil das wissenschaftlich gesichert ist …


’s Lebbe

Das Leben ist kein Geschenk
das Leben ist ein Angebot
du hast viel Zeit über dieses Angebot nachzudenken
weil es ein gutes Angebot ist
aber es ist und bleibt ein Angebot
und für ein Angebot muss man eine Gegenleistung erbringen
es gibt Arbeit, die getan werden muss
und wenn du die Arbeit nicht tun willst
bekommst du kein Leben
dann bekommst du ein Dasein
die gute Nachricht ist: du musst keine Arbeit machen, die du nicht machen willst
du musst nur Arbeit machen, die du denkst, nicht machen zu wollen
und diese Arbeit sind zwei Dinge

du musst tun, wovor du Angst hast
und du musst tun, was du willst

dann bekommst du ein Leben
bis dahin existierst du
während sich das Leben dir anbietet
jeden Tag erneut.